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Himalaya, Potala & Gebetsmühlen

Indischer Subkontinent
Petra Heiland
22.6.2026
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Ein Erfahrungsbericht von Petra Heiland

# TischlerTeam Verkauf

Schon beim Anflug auf Lhasa wird deutlich, dass diese Reise in eine andere Welt führt. Unter uns breitet sich eine spektakuläre Berglandschaft aus, rau, weit und von einer fast unwirklichen Klarheit. Die Hauptstadt Tibets liegt auf rund 3.650 Metern Höhe –und genau das spürt man sofort. Beim Aussteigen macht sich ein leichter Schwindel bemerkbar. Der Körper braucht einen Moment, um anzukommen.

Unser Reiseleiterbegrüßt uns mit einem herzlichen „Tashi Delek“ – einem tibetischen Gruß, der Glück und Gesundheit bedeutet – und legt jedem von uns einen weißen Schal um. Es ist eine kleine Geste, aber eine, die bleibt. Sie vermittelt Wärme, Respekt und diese besondere Form der Gastfreundschaft, die uns auf der gesamten Reise immer wieder begegnen wird.

 

Erste Schritte in Lhasa

Lhasa zeigt sich vom ersten Moment an vielschichtig. Berge prägen die Kulisse der Stadt, zugleich gehören moderne Hochhäuser längst zum Stadtbild. Doch im Altstadtkern Barkhor scheint die Zeit langsamer zu laufen. Hier entfaltet sich der Charme vergangener Zeiten, besonders auf dem mittleren Pilgerpfad, der rund um den Jokhang-Tempelführt.

Der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft. Pilger gehen betend ihre Runden, manche werfen sich immer wieder ehrfürchtig zu Boden. Dazwischen mischen sich chinesische Reisegruppen, Händler und Einheimische. In kleinen Läden werden Gebetsfahnen, Räucherstäbchen, Butterlampen und weitere Utensilien für Pilgerangeboten. Es ist ein lebendiges, dichtes Bild – spirituell, geschäftig und tief verwurzelt zugleich.

 

Über den Dächern der Stadt

Der Potala-Palast, einst Winterresidenz des Dalai Lama, thront majestätisch über Lhasa. Schon aus der Ferne wirkt er beeindruckend, doch je näher man ihm kommt, desto stärker entfaltet sich seine ganze Wirkung. Langsam steigen wir Stufe um Stufe hinauf. Die Höhe zwingt uns zu einem ruhigen Tempo, doch genau dadurch bleibt Zeit, den Moment bewusst wahrzunehmen.

Meine Kamera steht kaum still. Weiße Mauern, rote Fassaden, goldene Dächer und dahinter die klare Bergluft Tibets – jedes Detail scheint ein Bild wert zu sein. Im Inneren liegt der Duft von Butterlampen in der Luft, Mönche sitzen betend auf großen Kissen, und die Atmosphäre ist still, konzentriert und würdevoll.

Von oben öffnet sich der Blick über Lhasa und die umliegenden Bergketten. Es ist einer dieser Ausblicke, bei denen man für einen Moment vergisst, etwas sagen zu wollen.

 

Auf dem Weg durch Tibet

Reisen in Tibet ist heute erstaunlich komfortabel. Moderne Straßen und Autobahnen ziehen sich durch das Land, und mit dem Auto kommt man schnell und bequem voran. Stau erleben wir eigentlich nur in Lhasa. Sobald man die Stadt verlässt, wird die Landschaft weiter, offener und eindrucksvoller.

Unsere Route führt uns nach Tsedang. Unterwegs besuchen wir das Samye-Kloster, das als ältestes Kloster Tibets gilt. Schon beim Betreten spürt man eine besondere Atmosphäre. Dunkle Gänge, der Duft von Räucherstäbchen und Butterlampen, das leise Murmelnder Mönche, das Läuten kleiner Glocken und das Drehen der Gebetsmühlenverbinden sich zu einer fast mystischen Stimmung.

Besonders in Erinnerung bleibt mir eine Begegnung mit einer sehr kleinen, sehr alten Tibeterin, die mitihren Enkeln unterwegs ist. Sie ist sichtlich beeindruckt von meiner Größe –ich bin 1,81 Meter groß – und stellt sich kichernd neben mich. Sie reicht mir gerade einmal bis knapp über die Hüfte. Ein kurzer, fröhlicher Moment, ganz ohne viele Worte, aber voller Herzlichkeit.

 

Wo der Himmel näherscheint

Immer wieder begleitet uns die gewaltige Bergkulisse. Am Horizont zeichnen sich schneebedeckte Sechstausender ab, klar und majestätisch. Die Landschaft wirkt offen, hell und von einer Weite, die man kaum beschreiben kann.

Ein besonderer Höhepunkt ist die Fahrt hinauf zum Karola-Gletscher auf 4.797 Metern. In dieser Höhebewegt man sich automatisch langsamer. Jeder Schritt will bedacht sein, jederBlick dafür umso intensiver. Die Luft ist dünn, das Licht scharf, die Landschaft überwältigend.

Auf dem Weg eröffnen sich immer wieder Ausblicke auf den türkisfarbenen Yamdrok-See, der von majestätischen Bergen umrahmt wird. Für die Tibeter ist er ein heiliger Ort. Sein Wasser leuchtet in einer Farbe, die fast unwirklich erscheint – je nach Licht mal tiefblau, mal türkis, mal silbrig.

Am See entdecken wir eine kleine mobile Café-Bar, betrieben von einem jungen Tibeter aus einemumgebauten Jeep. Der Kaffee schmeckt köstlich. Vielleicht auch deshalb, weil man ihn an einem Ort trinkt, an dem die Welt für einen Moment ganz weit und ganz still wirkt.

 

Gastfreundschaft mit offenem Herzen

Was mich neben der Landschaft besonders berührt hat, ist die Herzlichkeit, mit der uns die Menschen begegnet sind. Sowohl die tibetische als auch die chinesische Gastfreundschaft erleben wir als aufmerksam, großzügig und ehrlich.

Überall wird reichlich aufgetischt – nicht aus Überfluss, sondern aus der Sorge heraus, der Gast könnte nicht satt werden. Auf den Tisch kommen dampfende Momos, gefüllte Teigtaschen, herzhafte Gerstensuppe, Yakfleisch in verschiedenen Variationen und Tsampa, geröstetes Gerstenmehl, das oft mit Buttertee vermischt wird.

Buttertee ist salzig, warm und nahrhaft – für westliche Gaumen vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber ein wichtiger Teil der tibetischen Alltagskultur. Gerade solche Begegnungen mit regionalen Speisen machen eine Reise lebendig. Sie erzählen vom Klima, von Traditionen und von einem Leben in großer Höhe.

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